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Zahnbehandlung

Wackelnde und faule Zähne sind nicht nur schmerzhaft, sie verursachen Schäden an diversen Organen.

Ich mag es eigentlich nicht Menschen und Tiere direkt miteinander zu vergleichen. Im zahnmedizinischen Bereich passiert mir dies jedoch oft.

Erste Anzeichen einer Erkrankung der Zähne sind:

  1. Zahnstein
  2. Rötung des Zahnfleischs
  3. Mundgeruch

Bei Nagetieren und Kaninchen:

  1. selektive Futteraufnahme
  2. Gewichtsverlust
  3. Verdauungsstörungen

Wie entsteht die Zahnerkrankung?

Wie bei uns Menschen auch - durch mangelnde Mundhygiene. Am Anfang des Geschehens steht meist eine Plaque (Bakterienfilm) auf dem Zahn. Dieser Plaque schreitet zum Zahnstein fort. Plaque und Zahnstein verursachen eine Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis), die dann zu Veränderungen des Zahnhalteapparates (Paradontose) und einer Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) führt. Bakterien können bis zur Zahnwurzelspitze vordringen und dort Wurzelabszesse verursachen oder der Zahn wackelt "einfach nur".

 

Welche Möglichkeiten habe ich einer Zahnerkrankung vorzubeugen?

  • regelmäßige Zahnreinigung mit Bürste und Tierzahncreme (bitte keine für Menschen verwenden)
  • regelmäßige Anwendung von antiseptischen Mundwassern (bite keine für den Menschen verwenden)
  • regelmäßige Anwendung von Kauknochen
  • regelmäßige Kontrolle des Gebiss

Welche Gefahren lauern bei einer Zahnerkrankung?

Zahnerkrankungen gehen mit einer extremen Keimbesiedlung im Maulraum ihres Tieres einher. Diese Keime können in die Blutbahn gelangen. Neben einer möglichen Sepsis ( Blutvergiftung ) ist der Nachweis erbracht, dass Zahnerkrankungen im direkten Zusammenhang mit Herzerkrankungen und Nierenerkrankungen stehen. Abgesehen davon Leben Hunde und Katzen häufig sehr eng mit dem Menschen zusammen. Sie geben "Küsschen", liegen im gleichen Bett etc. - es bleibt also nicht nur bei einer Gefährdung des Tieres.

Wie sehen Zahnerkrankungen aus die ich fast täglich (einmal in der Woche mindestens sehe)?

Dieses Bild zeigt einen 16 Jahre alten Mischlingsrüden, 13 kg schwer. Die Zähne wurden noch nie behandelt.

Der Hund litt zusätzlich an einer Mithralklappeninsuffizienz.

Vorberichtlich störte die Besitzer lediglich der extreme Mundgeruch. Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass der Hund ab und zu mal einen Tag nichts frißt.

Auf dem Bild ist der Hund intubiert und in Anästhesie (zur Zahnbehandlung), da er beim Versuch die Maulhöhle näher zu inspizieren gebissen hat.

Erhobene Befunde

  • Extremer Zahnstein
  • Lockere Zähne
  • Algenwachstum
  • Zahnfleischbluten
  • Zahntaschen (eine ist am Unterkiefereckzahn sichtbar)

Die Therapie sah wie folgt aus:

  • Zahnsteinentfernung
  • Entfernung aller lockeren / wackelnden Zähne
  • Scaling (Messung der Zahntaschentiefe) der fester sitzenden Zähne
  • Letztendlich Totalextraktion aller Zähne
  • Antibiose und Schmerzmedikamente

 Der Hund hat noch 2 Jahre gelebt und täglich gefressen.

 

Seien wir mal ehrlich: Hatten sie schon mal ein Blässchen im Mund oder sogar Zahnschmerzen? Wie haben sie sich damit gefühlt?

Wenn ich auf eine Zahnerkrankung hinweise, werden mir oft folgende Argumente entgegnet:

  • Das Tier frißt ja noch.
    • Ja, das Einstellen des Fressen (Selbsterhaltung) zählt zu den letzten Symptomen einer Zahnerkrankung. Dies bedeutet nicht , dass ihr Tier keine Schmerzen leidet.
  • Das Tier ist zu alt für eine Anästhesie.
    • Es ist richtig, dass eine Anästhesie im hohen Alter mit einem höheren Risiko verbunden ist als in jungen Jahren. Ist dies Grund genug, dass das Tier eventuell noch für Jahre Schmerzen leidet und eine stark beschränkte Lebensqualität hat? Lesen sie mehr unter Anästhesie was wir für ihr Tier tun können um das Risiko zu minimieren.
  • Tiere fühlen die Schmerzen anders als Menschen.
    • Wenn ich bei einem Tier mit Zahnerkrankungen unter Anästhesie ohne Schmerzmedikation den Zahnstein entferne, beobachte ich immer heftigste Schmerzreaktionen. Damit meine ich eine Erhöhung der Atemfrequenz zum Teil um das vierfache und ein Ansteigen der Pulsfrequenz bis zum 2 fachen der normalen Werte. Selbst mit stärksten Schmerzmitteln (Opiaten) wird diese Reaktion zum Teil noch beobachtet und erst eine zusätzliche Lokalanästhesie läßt die Werte im Normbereich bleiben. Bei identischer Schmerzmedikation kann ich allerdings die Bauchhöhle eröffnen ohne die Schmerzreaktionen zu beobachten. Wie Tiere fühlen kann ich leider nicht beantworten - dass sie Schmerzen haben (können) ergibt sich aus dem obigen Beispiel.

 

 Interessiert am Thema ? Lesen sie hier weiter.